Wie Du es anstellst, mehr Du selbst zu sein

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Kennen wir doch alle, diese Zweifel:
Mache ich das auch wirklich richtig? Wird den anderen gefallen, was ich tue? Was werden meine Freunde dazu sagen? Gehört sich das? Ist das normal?
Und wenn die Antworten auf einige dieser Fragen negativ ausfallen könnten, beginnen wir sofort, uns zurückzunehmen, denn schließlich möchten wir niemanden vor den Kopf stoßen. Jeder sucht nach Anerkennung und Liebe – ja, auch die, die es nicht zugeben und am lautesten rufen: Ich nicht!

Und alle erzählen Dir, was gut für Dich ist.
Dabei kann es niemand besser wissen als Du selbst. Keiner kennt Dich gut genug, um über Dich urteilen zu können. KEINER!
Das bedeutet im Umkehrschluss aber auch…

1) Richte über niemanden.

Man lässt sich schnell dazu hinreißen, ohne es richtig zu merken. Ups, schon befindet man sich in einer angeregten Diskussion über die Fehler eines Dritten.
Du musst nicht alle Leute mögen, Du musst ihre Entscheidungen auch nicht immer gut finden. Aber Du solltest Dir darüber im Klaren sein, dass Lästern nichts von dem ändern wird, was Dich stört.
Der Obdachlose, der da auf dem Bürgersteig hockt, besitzt eine Geschichte. Der Migrant, der vor Dir an der Kasse steht und Stunden lang sein Kleingeld zählt, hat einen Lebensweg, von dem Du nichts weißt. Ebenso, wie der verbitterte Nachbar, der scheinbar nichts besser kann, als zu schimpfen und sich über Kleinigkeiten zu beschweren. Wie wäre es, wenn Du dem Obdachlosen mal einen Kaffee spendierst? An der Kasse einfach einen Euro dazu gibst? Oder den Hausflur freiwillig saubermachst? Du erntest, was Du säst.

Begegne jedem mit Achtung und Respekt. So, wie auch Du gern behandelt werden möchtest. Das ist der beste Beitrag, den Du für eine Gesellschaft leisten kannst. Außerdem hast Du dabei viel bessere Laune und ein gutes Gewissen.

2) Fühle Dich nicht angegriffen.

Ich gebe zu, dass es manchmal echt schwerfällt, nicht beleidigt zu sein, wenn Dein Gegenüber allen guten Manieren Hohn spricht.

Kürzlich drehte ich im Supermarkt meine Besorgungsrunde und dachte an nichts Böses. Da fiel mir ein Pärchen auf, wie man es sonst nur aus schlechten Doku-Soaps kennt. Die Produkte, die in ihrem Einkaufswagen landeten, verrieten, warum die Dame des Hauses arg außer Form geraten war und keinerlei Geistesgegenwart ausstrahlte. Ihr Partner, dünn und offenbar nicht in bester Verfassung, hatte ein Aggressionsproblem, das so offensichtlich war, dass man es ihm aus fünf Meter Entfernung ansehen musste. Als ein etwa zwölfjähriger Junge es wagte, das Paar, das unabsichtlich einen Gang zwischen den Regalen versperrte, höflich zu bitten, ihn vorbeizulassen, wurde er angeschrien. Er habe gefälligst zu warten!
Etwas eingeschüchtert wies der Junge den Mann daraufhin, dass es nicht nötig sei, wegen einer Kleinigkeit gleich herumzubrüllen. Für einen Moment glaubte ich, er habe sich damit einen Wochenendausflug ins Krankenhaus gesichert.
Ich habe mich innerlich ungeheuer über das Paar aufgeregt. Über ihn, da er glaubte, seine Laune an Unbeteiligten auslassen zu müssen. Über sie, weil sie sich augenscheinlich damit zufriedengab, zusammen mit ihrem Mann dahinzuvegetieren.
Mein Fehler dabei: Ich habe geglaubt, die Leute nach einer kurzen Begegnung in eine moralische Schublade pressen zu können. Obwohl ich praktisch nie RTL II schaue, hat die Gegenwart des Reality-TV es geschafft, meine Wahrnehmung der Wirklichkeit zu verzerren. Ich habe das Paar gesehen und in meinem Kopf lief automatisch das Band: Hartz IV, Drogen, verwahrloste Wohnung, geringer IQ…
Im Nachhinein schäme ich mich dafür.
Was vollbringe ich Konstruktives, indem ich mich darüber aufrege? Die Reaktion des Mannes ist für mich zwar nicht nachvollziehbar, doch letztendlich ist er derjenige, der am meisten unter seinem Zustand leidet, oder etwa nicht? Sein wütendes Verhalten hat weder etwas mit dem Jungen, noch mit mir zu tun. Daher sollte es keinen Einfluss auf meine innere Balance haben.

3) Keine Zweifel!

Das Prinzip, das ich bereits in Punkt 2 beschrieben habe, ist noch vielschichtiger und begegnet uns im Alltag ständig. Ohne, dass wir uns dessen immer bewusst sind.
Du trägst diese knackigen, neuen Jeans, die Du Dir letzte Woche gekauft hast und fühlst Dich megamäßig wohl darin. So lange, bis Dich ein schiefer Blick trifft. Oder Deine Schwester feststellt, dass die Farbe der Hose Deiner Kehrseite nicht schmeichelt. Im ersten Moment zuckst Du mit den Schultern, doch wenn Du das nächste Mal an einem Spiegel vorbeikommst, heftest Du den Blick kritisch auf Deine neue Jeans und fragst Dich, ob Dein Po darin nicht doch etwas zu breit aussieht.

Ich verrate Dir ein Geheimnis: Du wirst es nicht schaffen, allen zu gefallen.
Darum tu, was Dich erfüllt. Zieh an, worin Du Dich wohlfühlst. Umgib Dich mit Menschen, dir Dir guttun. Sei ein stolzes Individuum. 😀
Das hat auch einen großen Vorteil – zu sein wie Du bist, zeigt Dir, wer wirklich zu Dir steht und Dich mag, ohne dass Du Dich verstellst. Vielleicht gefällt Dir die Reaktion der Anderen nicht immer. Dann denke daran:

Die Art, wie Dich jemand behandelt, verrät, was für ein Mensch er ist und nicht, was für ein Mensch Du bist.

4) Probiere etwas Neues aus!

Es gibt ein Instrument, das Du schon immer lernen wolltest? Oder träumst Du davon, mit dem Taxi nach Paris zu düsen? Dann ist jetzt der richtige Moment, um es endlich zu tun! Wobei es vielleicht günstiger ist, die Reise nach Paris mit dem Fernbus oder einer Fahrgemeinschaft anzutreten. 😉
Indem Du Neues wagst, wirst Du offener und lernst eine ganze Menge über Dich selbst. Das müssen gar keine weltbewegenden Projekte sein. Der Arbeitskollege, auf den Du schon immer neugierig warst – sprich ihn an. Probiere in deinem Stamm-Café mal etwas Anderes von der Speisekarte. Gehe einen anderen Weg als den, den Du gewohnt bist. Und das Wichtigste: Hab Spaß daran!

5) Genieße.

Es gibt eine Menge, wofür Du dankbar sein kannst. Lass das Smartphone in der Hosentasche und beobachte, was um dich herum geschieht. Erlebe die Zeit, die Dir gegeben ist, bewusst. Schau häufiger mal nach oben, anstatt auf deine Füße und es werden sich ganz neue Erkenntnisse einstellen.
Du wirst Dinge wahrnehmen, die Dir ein Lächeln aufs Gesicht zaubern und solche, die Dir zeigen, dass es noch unendlich viel Potenzial gibt. Lass Deinem inneren Kind von Zeit zu Zeit freien Lauf und erlaube Dir, das Leben zu genießen. Es ist natürlich, ja lebenswichtig für unser Wohlbefinden und unsere Kreativität, selbstbewusst und offen durch die Welt zu gehen, seine Gefühle auszudrücken und ab und an aus sich herauszugehen. Genieße den Moment.

Lass Dich nicht unterkriegen. Sei frech und wild und wunderbar.
Astrid Lindgren

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