Ein riesiger Unterschied! – 5 Antworten eines Vegetariers

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Wer sich entscheidet, bei seiner Ernährung auf Fleisch zu verzichten, kann früher oder später mit Fragen rechnen. Sei es dem Unverständnis der „fleischfressenden“ Verwandtschaft wegen oder auf einer Grillparty mit Freunden. Vielleicht haben Sie selbst darüber nachgedacht, Vegetarier zu werden, haben aber noch keinen Anreiz dafür gefunden? Hier sind 5 gute Gründe. Meine Antworten auf typische Fragen und Phrasen.

1) „Warum bist Du Vegetarier?“

In erster Linie weil ich jedem Tier ein gutes Leben gönne. Wenn ich an Kuhweiden entlang spazieren gehe – da wo ich herkomme, gibt es mehr Kuhweiden als Wohngebiete – und ich in die Augen der Tiere schaue, tut mir das Wissen, was in Zukunft mit ihnen geschehen wird, weh. Dabei sind die Kühe, die in ihrem Leben überhaupt eine grüne Weide zu Gesicht bekommen, bereits privilegiert. Weil ich ein empathiebegabtes Wesen bin, kann ich mir nicht vorstellen, diese Kuh zu streicheln, wenn ich gerade ein Stück ihres toten Artgenossen im Magen habe.

Ein noch viel größerer Faktor, dem die wenigsten Fleischkonsumenten Beachtung schenken, ist die Umwelt. Die Fleischerzeugung schadet unserer Erde, denn sie verbraucht nicht nur jede Menge Wasser und andere Ressourcen (z.B. Futtermittel; Medikamente), sondern verschlingt auch unvorstellbar viel Fläche, weswegen Waldflächen gerodet werden, die ein gesundes Klima bitter nötig hätte. Interessante Studien hierzu hat WWF veröffentlicht.

Dass wir in Deutschland nicht viel davon merken, liegt hauptsächlich daran, dass wir Futtermittel importieren, die anderswo angebaut werden. Und auch Fleisch, das in anderen Ländern unter teilweise noch schlimmeren Bedingungen erzeugt wurde, als die hiesigen Gesetze es zulassen. In Entwicklungsländern, denen dann nicht mehr genug Land bleibt, um sich selbst zu ernähren, führt das zu verheerenden Hungersnöten und Mangel an Trinkwasser, der vor allem die arme Bevölkerung schwer trifft.

Eine Zusammenfassung, die die Probleme der Fleischerzeugung auf den Punkt bringt, findest Du hier. Vegetarismus hat nicht nur etwas mit Tier-, sondern vor allem mit Menschenliebe zu tun!

„Müssen alle anderen dir zuliebe jetzt auch Vegetarier werden?“

Natürlich nicht. Jeder sollte sich selbst und dem Planeten zuliebe Vegetarier werden. Oder am besten gleich Veganer. 😉

Ich habe Freunde, die ähnlicher Überzeugung sind wie ich und sich dennoch nicht vegetarisch ernähren. Weil ich weiß, dass viele das Fleisch von regionalen Bauernhöfen ihres Vertrauens beziehen, wo die Tiere gut behandelt werden und viele Jahre in sowas wie Freiheit leben dürfen, bevor sie direkt vor Ort geschlachtet werden, kann ich damit gut leben.

Wer möchte dieses niedliche Küken nicht viel lieber streicheln als essen?

2) „Ist Fleischverzicht unnatürlich?“

Wenn der Mensch dafür geschaffen wäre, sich von Fleisch zu ernähren, müssten wir es nicht vorher zubereiten, um es genießbar zu machen. Wir würden mit Genuss in eine rohe Schweinehälfte beißen, wenn wir wirklich geborene Fleischfresser wären. Obst und Gemüse dagegen ist sämtlich auch roh bekömmlich und schmackhaft.

Wir sollten stattdessen die Frage stellen, ob Massenhierhaltung zum Zweck der Fleisch- und Tierprodukterzeugung „natürlich“ ist. Und ich denke, die meisten werden mir zustimmen, wenn ich die Bedingungen, unter denen die meisten Nutztiere zusammengepfercht, ausgebeutet und schließlich zu weit entfernten Schlachthöfen gekarrt werden, als unwürdig bezeichne.

„Ohne die Massentierhaltung könnten wir den hohen Bedarf nicht decken.“

Genau, darum bin ich Vegetarier. Jemand, der keinen Bedarf erzeugt.

Rohes Gemüse macht Appetit – ganz anders als rohes Fleisch.

3) „Ich liebe Tiere, aber ich könnte nie auf Salami verzichten.“

Ich verstehe nicht, wie jemand sich als Tierfreund bezeichnen kann, der in Kauf nimmt, dass Tiere leiden müssen, damit er weiter Schnitzel essen kann. Wer das tut, liebt vielleicht seinen Hund. Aber nicht alle Tiere. Im Übrigen finde ich nicht, dass man immer von Liebe sprechen muss. Respekt tut’s auch. Beispiel: Ich behaupte nicht von mir, Spinnen zu lieben. Dennoch würde ich nie eine töten, nur weil ich sie nicht mag. Meine persönlichen Befindlichkeiten machen diese Wesen nicht automatisch weniger lebenswert.

Fazit: Ich respektiere Tiere und es widerstrebt mir im höchsten Maße, ihnen Schmerz zuzufügen oder zuzulassen, dass jemand anderes es meinetwegen tut. Um Tierleid zu vermeiden, sollten viel bewusster und ausgesuchter essen und konsumieren.  Damit meine ich nicht nur Fleisch, sondern alle Nahrungsmittel tierischen Ursprungs. Es ist ein Unterschied, ob das Ei von einem Huhn aus Käfighaltung oder vom Bio-Bauernhof stammt. Denn nur Tiere, die an letzterem Ort leben, dürfen ein einigermaßen natürliches Leben führen.

„Das Tier, dessen Fleisch ich esse, wurde nicht extra meinetwegen geschlachtet. Es macht also keinen Unterschied, ob ich es esse oder nicht.“

Es macht einen riesen Unterschied! Auch, wenn er dem Tier, das da bereits als Endprodukt im Regal liegt, nicht mehr zugute kommt. Die Nachfrage regelt die Produktion. Wenn weniger Menschen Fleisch essen (oder viele Menschen weniger Fleisch konsumieren) wird auch weniger hergestellt werden.

4) „Was sollte ich sonst essen?“

Obwohl ich die Frage nachvollziehen kann, entlockt sie mir heute nur noch ein müdes Lächeln. Ich weiß, wie es ist, wenn man als frisch gebackener Vegetarier voller guter Vorsätze plötzlich vor einem halbleeren Kühlschrank steht und denkt: Was jetzt? Meist antworte ich darauf mit einer Gegenfrage: Hast du dich vorher von nichts anderem als Fleisch ernährt? Dann fällt dem Fragesteller meist auf, dass da bisher auch ein Brot unter seinem Schinken, Spaghetti unter seiner Bolognese und Gemüse neben seinem Steak war. Und dass der Grund, weswegen er fast jede Mahlzeit um Fleisch herumgebaut hat, vor allem reine Gewohnheit, gepaart mit Fantasielosigkeit war.

Darum weiß ich auch, wie schön – und kulinarisch ansprechend – es sein kann, wenn man plötzlich entdeckt, was man alles essen kann! Auf einmal ist das alles nicht mehr nur Beilage, sondern Hauptbestandteil. Plötzlich fällt einem der Eigengeschmack auf. Wem noch Ideen fehlen, kann sich durch die endlose Vielfalt vegetarischer Rezepte im Internet scrollen, um sich zu überzeugen, dass die Möglichkeiten, ohne Fleisch zu kochen, endlos sind.

5) „Ist das nicht ungesund?“

Im Vergleich zu Menschen, die regelmäßig Fleisch konsumieren, haben Vegetarier ein deutlich niedrigeres Risiko, an chronischen Leiden wie Diabetes, Krebs und Bluthochdruck zu erkranken. Außerdem sind Vegetarier nur selten von Übergewich betroffen und sterben statistisch gesehen seltener an Herzkrankheiten und Herzinfarkten. Ihre Lebenserwartung ist höher als die von Fleischessern.

Risiken, die eine vegetarische (und auch vegane) Ernährungsweise mit sich bringt, sind Vitamin D-, Vitamin B12- und Eisenmangel, zudem besteht ein höheres Risiko für Knochenbrüche bei Kalziummangel. Mangelerscheinungen (wie z.B. an B12) können mit Nahrungsergänzungspräparaten ausgeglichen werden.

Für Vegetarier wie auch Nicht-Vegetarier gilt, dass eine ausgewogene, generell fleischarme Ernährung die Lebenserwartung und – qualität deutlich erhöht. Wer die Studien, aus denen ich diese Erkenntnisse ableite, in Zahlen, Daten und Prozenten aufgeschlüsselt lesen möchte, hat hier die Möglichkeit dazu.

Meine persönliche Erfahrung: Seit ich meine Ernährung umgestellt habe, indem ich mich bevorzugt ökologisch und fleischlos ernähre (seit ca. 4 Jahren), kann ich mich über ein konstant niedriges Gewicht und einen nahezu idealen Körperfettanteil freuen. Haar und Nägel sind gesünder und wachsen schnell. Dem muss ich hinzufügen, dass ich seit Jahren auch keine konventionellen Shampoos mehr benutze, Nichtraucherin bin und nur seeehr selten Alkohol trinke.

Aus den o.g. Studien geht auch hervor, dass Vegetarier allgemein seltener rauchen und trinken.

Frisches Obst und Gemüse ist für eine gesunde Ernährung unverzichtbar.
Übrigens…

…habe ich manchmal durchaus Appetit auf Fleisch. Aber ich habe gemerkt, dass das meistens auf Eisenmangel zurückzuführen ist. Wenn ich dann Eisensaft zu mir nehme, sind auch die Gelüste weg.

Fazit: Ich habe mir angewöhnt, auf meinen Körper zu hören und bin sehr glücklich mit dem Ergebnis.

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