Du fehlst der Welt – hol Dir die Kontrolle zurück!

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Wie viel Verantwortung können wir für unsere Lebensumstände, unser Wohlergehen und auch für andere übernehmen? Gedankenimpulse zu drei großen Faktoren, die uns oft ohnmächtig erscheinen lassen, obwohl wir es nicht sind: Job, Gesundheit, Politik.

Der Job

Eifrige Motivationstrainer betonen es immer wieder: Beruf kommt von Berufung, das heißt „zu etwas berufen sein“.
Job ist ein leeres Wort ohne Herkunft, unter dem man „eine meist kurzfristige Arbeit zum Zweck des Gelderwerbs“ versteht.
Zu viele haben es als Normalität angenommen, dass man eben einer lästigen Arbeit nachgehen muss. Weil man Geld braucht, um die laufenden Kosten decken zu können. Miete, Krankenkasse, Steuer, Hypothek, Versicherung, Netzanbieter. Man arbeitet, um Geld für andere zu verdienen.
Geld von dem kaum etwas übrig bleibt.
Fakt ist: Die Armut in Deutschland hat sich zu einem flächendeckenden Problem entwickelt.
Die wenigsten nagen tatsächlich am Hungertuch, doch zu viele betrachten ihren Kontostand am Ende des Monats mit Frust oder sind zum Überleben gar auf staatliche Unterstützung angewiesen.

Laut Statistik besitzt jeder Haushalt ein Vermögen von durchschnittlich 200.000 Euro. Dieses Geld ist aber extrem ungleich verteilt. Ein Prozent der Haushalte, das Elite-Prozent sozusagen, besitzt nämlich 33 Prozent des gesamten Privatvermögens in Deutschland. Der ärmeren Schicht, die ca. 50 Prozent (!) der Bevölkerung ausmacht, gehören gerademal 2,5 Prozent des Gesamtvermögens.
Hinzu kommt ein deutliches Lohngefälle zwischen den Bundesländern, zwischen Ost und West sowie zwischen Mann und Frau. Vom Durchschnittsgehalt 3.612 Euro brutto (Stand 2016) können manche nur träumen.

Glücklichsein und Geldverdienen

Trotzdem kommt es für viele überhaupt nicht infrage, ihren Beruf oder auch nur den Arbeitsplatz zu wechseln. Die Angst vor dem Verlust der finanziellen Sicherheit ist viel zu groß. Dabei ist die Arbeit ein gewichtiger Bestandteil unseres Lebens (Merke: ein Bestandteil. Nicht der Sinn des Lebens.) und sollte darum unseren generellen Wunsch unterstützen, glücklich zu sein.
Frage: Welches Problem ist realer? Deine Angst oder die Tatsache, dass Du Dich jeden Morgen aus dem Bett quälst, weil Du keine Freude an der Arbeit hast?
Und was passiert, wenn Du es schaffst, diese Angst zu überwinden? Was, wenn außer Dir noch viele andere ihre Ängste hinter sich lassen und sich darauf konzentrieren, eine für sie angenehme Arbeitsstelle zu finden bzw. sich selbst eine zu erschaffen? Dem Arbeitgeber müsste viel mehr daran gelegen sein, die Interessen seiner Arbeitnehmer zu beachten. Sonst riskiert er, gute Fachkräfte zu verlieren – gut deswegen, weil sie ihren Wert kennen – und die sind heutzutage schwer zu ersetzen. Ein Arbeiter ist nicht mehr so leicht austauschbar. Noch dazu einer, der weiß was er kann und motiviert und mit Leidenschaft seine Aufgaben erledigt.

Wenn Du Nein sagst zu unangemessen niedrigem Gehalt, unbezahlten Überstunden, Mobbing am Arbeitsplatz oder sonstigen Misständen, die Dir die Freude an Deinem Beruf vergällen, hilfst Du gleichzeitig auch Deinen Kollegen. Und denen, die möglicherweise nach Dir den Job machen, sobald Du eine erfüllendere Alternative gefunden haben solltest. Wenn Du offen bist für Veränderung, anstatt über Verhältnisse verbittert zu sein, die Du abwählen könntest, verliert ein möglicherweise sturer Arbeitgeber sein Druckmittel.

Machst Du noch Deinen Job oder lebst Du schon Deinen Beruf?

Die Gesundheit

…ist für die meisten fast so wichtig wie das Geld. (An dieser Stelle wünsche ich mir wieder mal die Möglichkeit, dem Text meinen zugehörigen Tonfall beizufügen…)
Ehem. Das soll jetzt keine Grundsatzdebatte werden. Jeder muss selber entscheiden, wie für ihn die Prioritäten verteilt sind.
Aber seien wir ehrlich. Die meisten ackern, um die Krankenkasse bezahlen zu können, deren Leistung sie wiederum nicht in Anspruch nehmen, denn Krankwerden ist verboten. Das ist ein ungeschriebenes Gesetz. Schließlich muss man arbeiten.
Gesundheit wird als Mittel zum Zweck angesehen, was dazu führt, dass die Pharmaindustrie jährlich Milliardengewinne verbuchen kann. Immerhin ist es viel einfacher, sich vom Arzt eine Pille verschreiben zu lassen, die sämtliche Symptome unterdrückt, als langfristig an seiner Gesundheit zu arbeiten und sie gezielt zu stabilisieren. Gesunde Ernähung und Techniken zum Stressabbau werden als Modeerscheinungen betrachtet.
Anstatt die Verantwortung dafür zu übernehmen, wie ich mit dem eigenen Körper umgehe oder umgegangen bin, wird diese auf Ärzte abgewälzt. Die sollen mal ihren Job machen und mich schnellst möglich wieder zum funktionieren bringen, damit ich weiter arbeiten kann. (Sonst wird der Arzt oder die Ärztin für unfähig befunden.)
Diese Einstellung ist krank. Und sehr weit verbreitet.
Die Medizin kann hervorragende Arbeit leisten, wenn es darum geht, Disbalancen auszugleichen und Krankheiten zu heilen. Wenn man sie denn bewusst und überlegt einsetzt, anstatt zu erwarten, dass der Arzt für jedes Leiden die richtige Pille mit Soforteffekt verschreibt.

Es ist Dein Körper. Du selbst bist Dein größtes Kapital. Darum versorge Dich und gönne Dir, was Dich bestärkt und was sich gut anfühlt. Niemand würde auf die Idee kommen, sein Auto mit Diesel zu tanken, obwohl es Benzin benötigt. Und dass man nicht weiter fahren kann, als der Tank es zulässt, ist auch allen klar. Das solltest Du auch auf Deine eigenen Bedürfnisse anwenden: führe Dir die Nahrung zu, die Deinen Körper aufbaut und gesund erhält und nimm Dir Zeit, um immer wieder neue Kraft für Deine Aufgaben zu tanken.
Prävention, das heißt Vorbeugung, muss schon durch einen gesunden, lebensbejahenden Lebensstil stattfinden. Ein paar zusätzliche Gedanken, auch zur psychischen Gesundheit, findest Du hier: Bist Du auch krank im Kopf?

Die Politik

Der Wunsch nach Selbstbestimmung ist aktueller denn je. Jeder verflucht „die da oben“ und meint damit zum Teil die Politiker, zum Teil die Banken, die Konzerne, die Reichen, den lieben Gott, das Krümelmonster und überhaupt jeden, der mehr zu sagen hat als er selbst.
Darf man. Eine Demokratie lebt von freier Meinungsäußerung.
Phänomene wie die PEGIDA zeigen allerdings, dass eine Menge Leute ihre Meinung wichtiger nehmen als die Demokratie. Sie demonstrieren gegen „die da oben“, um sich Gehör zu verschaffen und dann lauthals zu verkünden, dass sie sich eine striktere, totalitär aufgebaute Staatsführung wünschten. Und zwar eine, die die Meinung des Volkes – also ihre Meinung – vertrete.

Zitat Tagesspiegel:
„Die Zustimmung der Deutschen für die Demokratie geht zurück, besonders in Ostdeutschland ist dieser Trend zu beobachten. Während vor acht Jahren noch 93 Prozent der Ostdeutschen die Idee der Demokratie für gut befanden, sind es heute nur noch 81 Prozent. […] In Westdeutschland ging die Zahl von 95 auf 89 Prozent Zustimmung runter. Besonders groß ist die Ablehnung der Demokratie unter den AfD-Anhängern.“

Diese Erkenntnisse beruhen auf einer Forsa-Studie, die ihr hier nachlesen könnt.
Die Leute möchten, dass ihre Interessen in der Politik stärker vertreten werden. Sie möchten bestimmen können. Nicht nur über sich selbst, sondern am liebsten auch über alle, die anderer Meinung sind. Dabei hinterfragen sie die Logik ihrer Einstellung nicht oder nur oberflächlich.
Eigenverantwortung? Fehlanzeige. Echte Selbstbestimmung sieht anders aus.
Schimpfen ist leicht und wird oft und gern praktiziert. Jeder hat ein Recht auf Unzufriedenheit und darf seine Kritik offen äußern – aber bitte nicht, ohne dabei seinen Verstand und ein gewisses Mindestmaß an Respekt und Konstruktivität zu gebrauchen.
Wer Vorschläge hat, wie man dies oder jenes verbessern kann, der möge aufstehen und sich erleichtern. Dafür leben wir ja in einer Demokratie.
Wer aber nichts kann, als sich aufzuregen über die diffuse Bedrohung des Krümelmonsters, das mithilfe einer gigantischen Verschwörung die Weltherrschaft an sich reißen will, und es dann noch nicht einmal fertig bringt wählen zu gehen, der… nun ja… der hat das Prinzip nicht verstanden.

Auf Dich kommt es an!

Es gibt zahlreiche Faktoren von außen, auf die wir nicht unmittelbar Einfluss nehmen können. Was wir aber ganz sicher beeinflussen können, ist die Art, wie wir mit diesen Dingen umgehen.
Sobald wir Verantwortung für unser Handeln übernehmen und erkennen, dass wir in der Lage sind, einen Großteil dessen, was uns nicht passt, zu verändern, verlassen wir die Opferrolle und werden aktiv.

Wichtig: Die großen Veränderungen, die nötig sind, um unsere Welt wunderbar wie sie ist zu erhalten und das Wesen unserer Gesellschaft zu verbessern, beginnen im Kleinen. Bei Dir und mir, jedem einzelnen von uns. Das mag abgedroschen klingen, ja, aber es ist wahr. Je mehr wir an uns selbst arbeiten, je konsequenter wir Platz in unserem Leben für das schaffen, was uns gut tut, und wir das leben, was wir von anderen erwarten, desto eher werden wir begreifen, dass es nur auf uns ankommt.

Wir sind an völlig unterschiedlichen Orten zu verschiedenen Zeiten geboren und umgeben uns mit jeweils gänzlich anderen Menschen. Das heißt, jeder von uns ist an einem Punkt, an dem er sich und seine Perspektive, seine Sicht auf genau seine Umgebung am besten verändern kann. Genau so, wie niemand anders es vermag. Das ist unsere große Verantwortung. Keine unserer Gedanken und Handlungen wird vergebens sein, nichts bleibt ohne Konsequenz. Egal, wie wir unsere Macht nutzen, in welche Richtung wir unsere Aufmerksamkeit lenken. Alles hat seine Wirkung. Wir sind manchmal nur zu sehr von uns selbst eingenommen, zu blind, um es zu bemerken.

Du hast die Kontrolle. Besitzt Du auch den Mut, sie zu nutzen?

„Wir sind nicht nur verantwortlich für das, was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun.“
Molière

Darum: Mit jeder Entscheidung, die Du triffst – und sei sie noch so winzig und scheinbar unbedeutend – triffst Du Deine Wahl, ob Du Dein Leben und die Welt um Dich besser machen oder tiefer in einen Zustand der Ohnmacht und Unzufriedenheit leiten willst. Wofür entscheidest Du Dich?

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